Das malerische Dorf im oberen Nerviatal liegt in der Nähe des Melognopasses und war zu früheren Zeiten ein Kreuzungspunkt verschiedener Maultierpfade, die von ligurischen Händler genutzt wurden. Besonders wenn Baiardo aus dem Nebel ragt, der manchmal den Talgrund bedeckt, versprüht das Dorf einen märchenhaften, verwunschenen Charme. Es ranken sich allerhand tragische Geschichten und Mhyten um das Örtchen in den ligurischen Seealpen. So singen die Dorfbewohner am Versöhnungstanz während des traditionellen Bootsfestes eine überlieferte Ballade von der tragischen Geschichte der Tochter des Conte von Baiardo, die nach einer Flucht aus Liebe zum Tode verurteilt wurde.

Erklimmt man die steilen Gässchen vorbei am neuen Marktplatz mit der Figur „Brigitta seduta sulla fontana“ gelangt man zum älternen, geschichtsträchtigen Teil des Dorfes. Dort, wo sich in grauer Vorzeit eine Druidekultstätte befand, an die noch einige Steinobelisken erinnern findet man heute die Überreste der Dorfkirche San Nicoló, die im 12. Jhd erbaut und im 15. Jhd umgestaltet wurde. Am Aschermittwoch des Jahres 1887 ereignete sich dort ein schreckliches Unglück: Durch ein Erdbeben erschüttert brach während der Messe das Kirchendach in sich zusammen und begrub 200 Menschen unter sich. Noch heute wird der Besucher, wenn er die dachlose Ruine betritt von einem mulmigen Gefühl befangen.

Doch auch der Weg an den Ruinen vorbei zur Kapelle Chiesa Giovanni lohnt sich durchaus, da man von dort aus einen atemberaubenden Blick über die Berglandschaft Liguriens geniest. Außerdem kann man von hier aus über kleine Schleichwege wandern, die einen das Dorf aus einem anderen Blickwinkel entdecken lassen.

Zur Geschichte:
Bevor der Ort ein Lehen der Grafen von Ventimiglia wurde (und danach im Jahre 1259 an die Genueser ging), war Baiardo eine römische Niederlassung, ein sogenanntes "Castrum". Der "Portaro del Piano" war der mittelalterliche Zugang zum Dorf, dessen Struktur im Grundriß der Gebäudeanordnung trotz des Erdbebens und des nachfolgenden Wiederaufbaus immer noch erkennbar ist. Ein Symbol der Renaissance ist die neue Pfarrkirche von San Nicolò, die 1893 eingeweiht wurde und in der sich ein Triptychon von Francesco da Verzate aus dem Jahre 1465 befindet; ein weiteres Triptychon von Emanuele Macario aus dem Jahre 1552 wird im Oratorium von San Salvatore aufbewahrt und zur Zeit restauriert. Im Gemeindehaus kann man ein hölzernes Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert bewundern und in der Pinakothek befinden sich Kunstwerke zeitgenössischer Maler wie von Antonio Rubino, der in Baiardo geboren wurde.

Vom 900 m hoch gelegenen Dorf erreicht man schnell den 1300 hohen Bignone und den 1400 m hohen Ceppo. Entlang des Bondatals kommt man nach Castelvittorio und wieder zur Straße zum Weiler Berzi mit dem bedeutenden Gebäudekomplex der barocken Wallfahrtskirche von Santa Maria Assunta. Die lokale Küche bietet Spezialitäten wie "Ciousoun", eine Pastete mit wilden Kräutern oder "Crustolo", eine Süßspeise mit Hefeteig und kandierten Früchten.